Mit 28. Juni 2025 ist in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) in Kraft getreten. Dieses nationale Gesetz setzt die Vorgaben der EU-Richtlinie 2019/882 – European Accessibility Act um und bringt klare Anforderungen für digitale Produkte mit sich – darunter auch mobile Applikationen.
Das bedeutet: Unternehmen, die mobile Apps für den Endkonsumentenmarkt (B2C) anbieten, müssen sicherstellen, dass diese barrierefrei nutzbar sind – unabhängig davon, ob Nutzer:innen Einschränkungen beim Sehen, Hören, Motorik oder in der kognitiven Verarbeitung haben.
Auch wenn es bestimmte Ausnahmen und Übergangsfristen für kleine Unternehmen gibt, ist der grundsätzliche Trend klar: Digitale Barrierefreiheit wird zum Standard – rechtlich, gesellschaftlich und technisch.
Der Nachholbedarf ist groß – Barrierefreiheit wurde oft vernachlässigt
Trotz der fortschreitenden Digitalisierung war Barrierefreiheit bei der Entwicklung von Apps in den letzten Jahren viel zu selten ein zentrales Thema. In vielen Fällen standen Design, Usability oder Geschwindigkeit im Vordergrund – die Anforderungen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen wurden dabei oft nicht mitgedacht.
Das ist nicht nur aus gesetzlicher Sicht problematisch, sondern auch aus ethischer und wirtschaftlicher Perspektive: Rund 15-20 % der Bevölkerung sind in irgendeiner Form dauerhaft oder temporär eingeschränkt. Wer diese Gruppe ausschließt, verliert potenzielle Nutzer:innen – und riskiert gleichzeitig rechtliche Konsequenzen.
Was bedeutet barrierefreie App eigentlich?
Barrierefreiheit bedeutet, dass alle Menschen eine App uneingeschränkt nutzen können, unabhängig von ihren physischen oder kognitiven Fähigkeiten. Dafür müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden. Dazu gehören unter anderem:
- Screenreader-Kompatibilität: Inhalte müssen korrekt vorgelesen werden können. Dazu braucht es semantische Strukturen, beschriftete Schaltflächen und korrekt ausgezeichnete Bedienelemente.
- Farben & Kontraste: Informationen dürfen nicht ausschließlich über Farben vermittelt werden, Kontraste müssen ausreichend hoch sein.
- Texte skalierbar machen: Die App muss lesbar bleiben, auch wenn Nutzer:innen die Schriftgröße am Gerät erhöhen.
- Tastatur- und Switch-Steuerung: Alle Funktionen sollten auch ohne Touch bedienbar sein.
- Sprachausgabe und alternative Texte: Bilder, Icons und Bedienelemente benötigen Alternativtexte.
- Eingabehilfen unterstützen: Funktionen wie VoiceOver (iOS), TalkBack (Android), Zoom, Farbumkehr oder andere Betriebssystem-Hilfsmittel müssen problemlos mit der App funktionieren.
Diese Anforderungen sind in den internationalen WCAG 2.1 (Web Content Accessibility Guidelines) definiert, einem anerkannten Standard für barrierefreie digitale Inhalte. In Österreich bildet dieser Standard die Grundlage für die Umsetzung des BaFG.

Unser erprobter Prozess zur Barrierefreiheits-Analyse von Apps
In den letzten Monaten haben wir intensiv daran gearbeitet, einen klar strukturierten Prozess zu entwickeln, um mobile Apps auf Barrierefreiheit zu überprüfen und konkrete Handlungsempfehlungen für die Verbesserung zu geben. Dieser Ansatz wurde bereits in der Praxis erfolgreich angewandt und lässt sich auf jedes App-Projekt übertragen:
1. Analyse & Check auf Basis der WCAG 2.1
Im ersten Schritt analysieren wir die App systematisch anhand der WCAG 2.1 Richtlinien – dem internationalen Standard für digitale Barrierefreiheit. Dabei kombinieren wir automatisierte Tools mit manuellen Tests auf Android und iOS, um reale Nutzungsszenarien abzudecken.
Unter Android setzen wir den Google Accessibility Scanner ein, um z. B. Kontraste, Größe und Beschriftung von UI-Elementen zu prüfen. Mit dem TalkBack Screenreader testen wir zusätzlich, ob alle wichtigen Inhalte vorgelesen werden, die Bedienung logisch ist und sich die App auch ohne Sehen gut steuern lässt.
Auf iOS verwenden wir VoiceOver und den Xcode Accessibility Inspector, um Lesereihenfolge, Labels und Bedienbarkeit zu überprüfen.
Wenn verfügbar, analysieren wir auch die Figma-Design-Dateien mit dem Plugin Able – Accessibility Checker, um potenzielle Barrieren schon im Design zu erkennen.
Alle Erkenntnisse aus den Tests werden sorgfältig dokumentiert und mit Screenshots belegt. Die Ergebnisse fließen in einen strukturierten Barrierefreiheitsbericht mit konkreten Handlungsempfehlungen ein, der als Grundlage für die spätere Umsetzung dient.
2. Erstellung eines ausführlichen Berichts
Die Ergebnisse der Analyse fassen wir in einem strukturierten Bericht zusammen. Darin enthalten:
- Erfüllungsgrad aller relevanten Kriterien
- Einschätzung der Schwere von Problemen
- Screenshots und konkrete Beispiele
- Technische Hinweise zur Problemursache
3. Konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung
Anhand der Analyse entwickeln wir gezielte Empfehlungen zur Verbesserung – priorisiert nach Dringlichkeit, technischem Aufwand und Auswirkung auf die Nutzererfahrung. Dabei denken wir sowohl technisch als auch konzeptionell.
4. Unterstützung bei der Umsetzung
Auf Wunsch begleiten wir auch die Umsetzung der Barrierefreiheits-Maßnahmen. Das kann von der Entwicklung einzelner Komponenten über Designanpassungen bis hin zur finalen Überprüfung vor dem Release reichen. Dabei arbeiten wir eng mit den verantwortlichen Teams zusammen, um gemeinsam das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Unsere Erfahrung: Barrierefreiheit ist machbar und bringt echte Mehrwerte
Wir beschäftigen uns bereits seit vielen Jahren mit Barrierefreiheit in digitalen Anwendungen und sehen jetzt, wie relevant dieses Thema für Unternehmen geworden ist.
Unser strukturierter und praxiserprobter Zugang macht es leicht, konkrete Maßnahmen zu identifizieren und effizient umzusetzen. Barrierefreiheit muss kein Mammutprojekt sein – mit der richtigen Unterstützung ist sie ein klarer Qualitätsgewinn für jede App.
Lassen Sie Ihre App barrierefrei prüfen – wir helfen Ihnen dabei
Ob gesetzlicher Zwang oder strategische Entscheidung: Wer sich heute mit Barrierefreiheit beschäftigt, investiert in Zukunftsfähigkeit, Markenimage, Nutzerfreundlichkeit und Inklusion.
Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihre App die Anforderungen des BaFG und der WCAG erfüllt, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Wir unterstützen Sie mit fundierten Analysen, klaren Empfehlungen und praxisnaher Umsetzung.
Lassen Sie uns gemeinsam Ihre App barrierefrei machen.